Zuweilen hat man ungewöhnliche Kunden. Ein saudischer Scheich
bat darum das
die Firma Astroshop ihm einen Fachmann vorbeischickt, der ihm
sein Teleskop einrichtet und erklärt. So kam es das ich auf
bitten der Ex-Firma einen Flug nach Dschidda unternommen habe.
In Dschidda war es sehr heiß. Im München bin ich
bei -7 Grad gestartet
und in Saudi-Arabien wurden jeden Tag um 35 Grad erreicht!
Nachmittags
steht das Leben in Dschidda still, nur morgens und
Abends gehen die Menschen auf die Straße.
So wurden morgens die Sehenswürdigkeiten der Stadt besucht
und abends wurde mit dem Teleskop gearbeitet.
Der Himmel ist in Dschidda extrem licht-verschmutzt.
Die Lichtverschmutzung ist 10 mal schlimmer
als im Zentrum von München.
Blick vom
Dach der Kundenvilla. Es ist kein Stern
zu sehen.
Der Polarstern war unsichtbar und es gelang nur
mit Mühe den Stern Wega und den Saturn zu finden.
Die Demonstration der Kalibration am Stern war daher nicht
möglich.
Der Kunde hat aber die Grundlagen verstanden und ist zufrieden.
Den Mond konnten wir gut beobachten obwohl wir zeitweise Wolken hatten
und es einen Sandsturm gab.
Wie erwartet waren Anleitung und Werkzeug verbummelt worden,
doch zum Glück war ich gut vorbereitet. Das Teleskop war in
einem guten Zustand
und befand sich auf dem Dach der Villa.
Dort gab es einen unklimatisierten Raum den wir als Schulungszimmer
für den theoretischen Teil nutzten.
Der theoretische Teil umfasste die Aufbauvideos von
Astroshop, Hinweise zu nützlichen Links im Internet,
die Erklärung einer Planetariumssoftware sowie die
Präsentation einiger hilfreicher Bücher um die
Grundlagen der Beobachtungen zu verstehen.
Vom ´Schulungszimmer´ aus waren es nur wenige
Schritte aufs
Dach wo die
Wärmetauscher der Klimaanlagen aufgestellt waren.
Auf dem Dach suchten wir uns ein Plätzchen zum Aufbau des
Teleskops um in der Nacht den praktischen Teil der Schulung
durchführen zu können.
Die Villa ist ein weitläufiger Bau im Neo-Barock. Im nicht
sichtbaren hinteren Bereich gibt es einen Garten mit Kolonnaden,
während im nicht sichtbaren vorderen
Bereich Personal- und
Gästehäuser stehen.
In der Tiefgarage stand ein
Ferrari neben allerlei Maybachs und Bugattis.
Erstaunlicherweise waren alle Fahrzeuge elektrisch.
Tankstellen gibt es in Dschidda nicht mehr.
Der Scheich ist ein umgänglicher Mensch mitte 40 mit leiser
Stimme.
Wir haben uns etwa eine Stunde nett unterhalten und fanden
Gemeinsamkeiten.
So haben wir beide Wirtschaftswissenschaften studiert.
Der Empfang fand im ´Roten Saal´ der Villa statt.
Als Gastgeschenk
wurden ein paar
Bücher und eine
Handyadapter dagelassen.
Den Rest der Zeit sprach ich mit seinem zuständigen
Mitarbeiter
der als Bauingenieur aus dem Jemen eingewandert ist. Es wurden grüner Kaffee und
Kamelfleisch serviert.
...Da konnte ich trotz aktueller Diät natürlich nicht
´Nein´ sagen.
Im Hotel gab es einen nützlichen Hinweis wie man die Pfunde
wieder abtrainieren kann:
Die Behandlung war zuvorkommend und das Hotel top.
Der Swimming-pool hat nur eine Tiefe von 1.2m, denn kaum einer
der
Wüstensöhne kann
schwimmen.
Als ich ein paar Runden
drehte, gab es
interessierte Zuschauer....
Für unsere heimischen Ski-Lehrer wäre eine Arbeit als
saudischer Schwimmlehrer ein passender sommerlicher Nebenjob.
Im Kühlschrank gab es unerwartete Getränke:
Zu den
Sehenswürdigkeiten wurde ich gefahren und musste nichts
zahlen.
Die Altstadt von Dschidda wurde Nachts besucht.
Die Altstadt von Dschidda ist seit 2014 als
UNESCO-Welterbe in Saudi-Arabien eingetragen.
Das historische Dschidda ist eine Hafenstadt am Roten Meer. Sie war das
Ziel von Schiffen, die Waren für Mekka über den
Indischen Ozean transportierten, zugleich auch Durchgangsstation
für alle Mekkapilger, die mit dem Schiff reisten. Dschidda kam
dadurch zu Wohlstand und entwickelte eine eigene architektonische
Tradition.
Der Stadtplan und das Straßennetz gehen zwar bis ins 16.
Jahrhundert zurück, aber Baudenkmäler gibt es aus
dieser Zeit nur wenige. Die Altstadt ist geprägt
durch Baumaßnahmen, die im späten 19.
Jahrhundert
durchgeführt wurden. Die Stadt ist daher von den Osmanen
geprägt, die entlang der Küste bis zum Ende des 1.
Weltkriegs
die
Herrschaft
ausübten.
Bei den
Holzarbeiten ist aber auch der indische Einfluss deutlich
spürbar.
Typisch für die Architektur von Dschidda sind turmartige
Wohnhäuser mit großen hölzernen Roshan. Die
Roshan sind Fenstererker, die einerseits dem Schutz der
Privatsphäre, andererseits in Zusammenhang mit den
Windtürmen der Luftzirkulation dienten.
Sie werden aus geschnitzten oder gedrechselten
Holzstücken zusammengesetzt, die zu geometrischen Mustern
angeordnet sind.
Die
Wohntürme sind in Dschidda deutlich niedriger als im
Jemen. Mehr als 2 oder 3 Stockwerke werden selten erreicht.
Einige der Bauten sind noch im schlechten Zustand, werden aber vom
Kulturministerium restauriert.
Insgesamt
gibt es in der Altstadt noch etwa 300 dieser historischen
Häuser. Vor 50 Jahren sollen es noch mehr als 1000 gewesen
sein.
Auf das Welterbe hat sich auch die Souvenir-Industrie eingeschossen. Im
den Läden gibt es zahlreiche Hausmodelle.
Aber auch für die Mekka-Pilger gibt es passende Souvenirs:
Ein populäres Motiv ist die Eingangstür der Kaaba:
Daneben gibt es Postkarten mit dem Fußballer Ronaldo.
Nachdem Ronaldo im Januar 2023 vom saudischen Erstligisten al-Nassr FC
unter Vertrag genommen wurde und mit seiner Familie nach Saudi-Arabien
gezogen war, machten die Herrscher des islamischen Königreichs
für ihn eine Ausnahme von der Scharia-Regel, der zufolge
unverheiratete Paare nicht zusammenleben dürfen.
Insgesamt ist Saudi-Arabien stark vom
Islam
geprägt. Den Spruch auf der Flagge ließ ich mir
übersetzen.
Er lautet: ´Es gibt keinen Gott außer Gott und
Mohammed ist sein Prophet.´
Das erste besuchte Museum war das Al-Taybat-International
Der Eintrittspreis von 50 Saudischen Riyal entspricht etwa 13 Euro. Der
Saudische Riyal hatte in den letzten Jahren
eine offizielle Inflation von 2 bis 6%. Inoffiziell soll der
Wertverlust aber deutlich höher sein.
Die Sammlung
befindet sich in einem palastartigen Gebäude mit
4 Stockwerken. Leider reichte die Zeit nur für die beiden
unteren Geschosse.
Die Präsentation der Sammlung ist für
Europäer ungewöhnlich. Historische Highlights sind
bunt gemischt mit Kunsthandwerk aus der Gegenwart. So besteht die
Gefahr, dass man interessante Ausstellungsstücke in all dem
Tinnef übersieht.
Im Eingangsbereich gibt es Schautafeln mit Infos zur saudischen
Geschichte.
Präsentiert werden Modelle der 3 Hauptheiligtümer des
Islam: Den Moscheen in Mekka und Medina sowie dem Tempelberg in
Jerusalem.
Interessant ist dieses Modell mit dem Inneren der Kaaba. Etwas das man
sonst eher selten sieht:
Ein Highlight war dieses babylonische Rollsiegel, anhand dessen sich
die Entwicklung der Schrift dokumentieren läßt.
Die frühen Schriften waren Piktografisch, so wie heute noch
das Chinesisch.
Eine Silbenschrift entwickelten erst die Ägypter und die
Buchstaben waren eine Erfindung der Phönizier.
Die frühesten Funde aus der Steinzeit sind stilistisch
identisch mit Funden aus Europa.
Der Norden des Landes stand in der Antike unter dem Einfluss der
Nabatäer
Die Formensprache ist ein Indiz dafür, dass die
Töpferscheibe nicht überall verbreitet war.
Aus dem Mittelalter finden sich einige interessante Keramiken mit
arabesken Motiven.
Interessant ist die Sammlung historischer Waffen bei der fast nur
Originale zu sehen sind.
Auch wenn es Unterschiede gibt, sind doch Parallelen zur zeitgleichen
Wehrtechnik in Europa unübersehbar und zeugen von
einem kulturellen Austausch, der heute nur noch wenigen bewusst ist.
Die Münzsammlung zeigt eine reichhaltige
Prägehistorie und ist damit ein Dokument für
die frühere Zersplitterung des Landes. Die Münzen aus
der arabischen Zeit zeigen keine Gesichter und sind für den
Europäer eher langweilig.
In der Gegenwart zeigen die Geldscheine wieder die Gesichter der
Könige und sind damit eine Möglichkeit die
Entwicklung der Dynastie nachzuvollziehen.
Das nächste Museum befand sich im Obergeschoss eines
Kaufhauses.
Anders als die Bezeichnung vermuten läßt gab es dort
nicht nur Mode und Schmuck zu sehen.
Die islamische Keramik der Frühzeit war unglasiert und ist
daher meist schlecht erhalten.
Im 13Jh. wurden wie in Europa die Salzglasuren entwickelt und die
Keramik steigerte
ihre Qualität.
Unter persischen Einfluss waren auch figürliche Motive
möglich.
Um 1400 erreichte die Islamische Wissenschaft ihren Zenit.
Ulugh
Beg
veröffentlichte seinen Sternkatalog um 1430.
Der bronzene Ofen aus dem 12 Jh. erinnert an eine zeitgleiche
romanische Aquamanile.
Unter den Handschriften ragt ein Dokument heraus, das vom Fall Granadas
1492 berichtet.
Augenzeugenberichte sind sonst meist nur aus der Perspektive der Sieger
überliefert.
Ein Rätsel war zunächst was mit
´Kohl´ gemeint
sein könnte.
Es ist eine schwarze Paste aus
Antimon-Sulfid die in der Liedinnenseite aufgetragen wird.
Sehenswert war im Museum noch ein Sammlung von antiken Schmuck.
Der letzten Tage wurde genutzt um das
Aquarium zu besuchen und etwas an
der Küste entlang zu wandern.
Im Roten Meer gibt es 200 Korallenarten in denen 1200
Fischarten leben.