Spanien August 2026 - Tag 5 - Deepsky in den Bergen

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Villablino ist ein kleiner Ort in den Bergen zwischen Oviedo und Leon. Er produziert nur wenig Lichtverschmutzung, schon wenige Kilometer entfernt hat meinen dunklen Himmel wie man ihn in Deutschland nirgendwo mehr finden kann.
In der ersten Nacht nach der Ankunft war der Himmel klar, doch die Müdigkeit war zu groß. Immerhin wurde der Seestar rausgestellt um auf den Kleinplaneten Roxane zu schauen. Der Kleinplanet sollte nach einer Prognose des Sternberg-Instituts in dieser Nacht eine Kleinplanetenmondbedeckung zeigen.



Der Eintritt sollte sich über die Nacht über mehrere Stunden erstrecken und in der Morgendämmerung sollte das Minimum erreicht werden. Das Delta liegt bei nur 0,07mag, was bei einem 12.5mag hellen Objekt für den Seestar photometrisch anspruchsvoll ist. Die Photometrie eines so schwachen Objektes wird durch die Mittelung einer langen Zeitreihe vereinfacht.


Roxane befand sich zum Aufnahmezeitpunkt nahe dem Wendepunkt der Bahn und war daher langsam. Dies erlaubte die Mittelung einer großen Bilderzahl zur Optimierung des SNR. Durch das Stacking von jeweils 80 Seestarbildern waren Messpunkte mit kleinen Fehlerbalken möglich. Es zeigte sich eine überraschend deutliche Kurve....die allerdings mit dem Mond nichts zu tun hat. Es handelt sich um den normalen Rotationslichtwechsel des eher länglichen Kleinplaneten.


3 Wochen später gab es bei Roxane nochmal eine Planetoiden-Mondverfinsterung, die diesmal an der Sternwarte München aufgezeichnet wurde.





Durch das größere Teleskop und die gekühlte Kamera hat die Kurve ein sehr gutes SNR.



Mit etwas Phantasie kann man an der Position des Verfinsterungsbeginns eine leichtes Abknicken der Kurve erkennen.
 


Für einen sicheren Nachweis des Planetoidenmondes würde man neben der Messung zum Zeitpunkt der Verfinsterung auch noch eine Kurve des normalen Rotationslichtwechsels benötigen.
Nur in der Differenz der Kurven lässt sich der Mond sauber herausarbeiten. Leider haben Roxane und ihr Mond keine gebundene Rotation.  Daher muss für die Differenzmessung die komplette Rotationslichtkurve abgedeckt werden. Da Roxane eine etwa 8-stündige Rotationsperiode besitzt, wäre die Abdeckung der Komplettrotation  in 2 aufeinanderfolgenden Nächten gut möglich.
Drei Nächte in Folge zum passenden Zeitpunkt eines Mondereignis sind in Deutschland selten. Da hätte ein Remote-Projekt im sonnigen Süden bessere Chancen.

Die beiden Kurven aus dem August und September 2026 schneiden sich nur in einem Teilbereich.




In der zweiten Nacht gab es im Süden ein stabiles Wolkenfeld. Es wurde dennoch eine Tour unternommen um nach einen geeigneten Beobachtungsplatz zu suchen. Dazu wurden vorab mehrere Mirador-Aussichtspunkte ausgewählt.


Die ersten beiden Aussichtspunkte erwiesen sich als nicht optimal. Platz 1 hatte Bäume und Platz 2 lag am Rand eines Dorfes. Platz 3 lag 20min von Villablino entfernt an einem Pass mit dem Namen ´Puerto de Somiedo´.


Knapp südlich des 1486m hohen Passes gibt es eine Parkplatz auf dem einige Camper standen. Dort wollten wir nicht stören und daher wurde ein Platz 200m weiter südlich gewählt. Neben einer kleinen Ruine die wohl mal ein Stall gewesen ist, gibt es unterhalb der Straße ein gutes Plätzchen mit freier Sicht nach Süden. Der Platz ist 1440m hoch und gut erreichbar. Die Nacht dort ist sehr dunkel.


Villablino liegt knapp südlich vom Hauptkamm auf der sonnigen Seite Nordspaniens. Das Kantabrische Gebirge stellt eine Klimascheide zwischen der grünen, maritim geprägten Nordseite und der kontinentalen kastilischen Hochebene im Süden dar. Während wir dort waren, gab es nördlich des Gebirges beständig eine Hochnebelbewölkung.

Wenige Kilometer nördlich vom Pass fuhr man in die Wolken

Südlich des Hauptkamms war es dagegen permanent sonnig, heiss und dunstig. Um dem Dunst zu entkommen braucht man Höhe und muss möglichst nah an den Hauptkamm heranfahren. Villablino erwies sich zufällig und ungeplant als perfekter Standort. Noch etwas dunkler und höher aber schwerer erreichbar wäre vielleicht der Mirador de la Fuente del Chivo oder der Mirador de Llesba beim Puerto de San Glorio. Direkt südlich vom Pico des Europa wäre man da wohl auch wettertechnisch auf der sicheren Seite. Alles sehenswerten Städte sind aber 2,5h Fahrt entfernt. Der ´Puerto de Somiedo´ bei Villablino, ist in der Summe der beste Kompromiss.

In der zweiten Nacht schwappten vom südlichen Wolkenfeld Nebelschwaden über unseren Standort. Immerhin gelang es den Kometen 220P-McNaught zu beobachten der wenige Tage zuvor einen Ausbruch hatte und zu der Zeit 8mag hell gewesen ist.


Die Dritte Nacht war durchgehend klar, doch da der Mond schon wieder am Abendhimmel stand, wurde etwas vorgeschlafen. Der Beobachtungsort am Pass wurde erst in der zweiten Nachthälfte angesteuert. Mit dem 8 Zoll Reisedobson wurden zahlreiche Objekte eingestellt. Viele davon hatte Co-Beobachter Björn als fotografierender Flachlandbewohner nie zuvor gesehen.
Zu den Highlights des Sommerhimmels gehören der Schleiernebel, der Nordamerikanebel und der Hantelnebel. Auch der Ringnebel, M11 und M13 wurden eingestellt.


Während mein Co-Beobachter mit dem Seestar die Objekte fotografierte, wurden ein paar schwierigere Ziele abgearbeitet.
Zunächst wurde nochmal der Komet 220P-McNaught eingestellt. Er hatte sich relativ zum Vortag nicht verändert, hatte immer noch 8 mag und einen Schweif mit ca. 20 Bogenminuten Länge. In der rundlichen Koma war kein Kern zu sehen.

Fotografisch war der Schweif fast doppelt so lang wie er visuell zu erkennen gewesen ist.

Schon länger auf der Zielliste stand die flächenschwache Galaxie IC342, die auch als ´Hidden Galaxy´ bekannt ist.


Visuell war der flächige, rund Kernbereich ohne markante Aufhellung. Eine Sternkette lief unterhalb vorbei.
Unterhalb der Sternkette war eine Aufhellung, die sich nachträglich einem Spiralarm zuordnen ließ.
Eine weiterer, etwas hellerer  Spiralarm war 90 Grad versetzt zu identifizieren.

 

NGC6823 ist mit 8 Zoll ein schwieriges Objekt.
Ein kleiner, unscheinbarer Sternhaufen ist hier von einem schwachen, aber ausgedehnten Emissionsnebel umgeben.
 



Beobachtungsnacht 15/16.8.2026 und 17/18.8.2026
Kantabrisches Gebirge, Puerto de Somiedo
6.5mm Fisheye + EOS-M 30s je Bild, 3200 ASA
https://youtu.be/GGs0Jf5_LO8



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