Am Montag den 8.12. stand der Canyon von Gorafe auf der Zielliste. Das
durch vielfältige Formen und Farben geprägte Gebiet
besitzt
eine spektakuläre Landschaft, die an den Grand Canyon
erinnert.
Dazu gibt es noch rund 240 Dolmen aus der Bronzezeit. Die Ansammlung
der archäologischen Fundstätten ist die
größte in
ganz Europa.
Bei der Anfahrt war noch unsicher ob der Canyon im Nebel liegen
würde, denn das nördliche Vorland der Berge
zeigte eine Nebelfront.
Doch während der Fahrt wurden die Bedingungen immer besser.
Der Canyon lag dann im strahlenden Sonnenschein.
Am besten erkundet man die Wüste von Gorafe vom
´Centro de
Interpretación´ am Megalithenpark aus. Das 600 qm
große Informationszentrum
ist kein Museum sondern eher sowas wie eine geführte Show mit
wenigen Originalfunden aber mehreren erklärenden Filmen zu
Entstehung, Geologie und steinzeitlichen Geschichte.
Auch die Geschichte der Entdeckung der
Megalithanlagen im 19Jh. wird
behandelt.
Die heutige Wüste ist eine von Bergen umkreiste Hochebene. In
früheren Zeiten lag sie unter dem Meeresspiegel
wurde aber durch die Bergketten mehrfach vom Meer abgeschnitten. Das
Meer trocknete aus und hinterließ über 6 Mio Jahre
eine dicke Sedimentschicht. Nach dem Anheben der Platte durch die
Annäherung von Europa und Afrika schnitt sich das kleine
Flüsschen Gor durch das Sediment und erschuf in nur 500.000
Jahren
den heute sichtbaren Canyon.
Der Canyon reicht nicht bis auf das Grundgestein. Er hat erst etwa 2
Mio Jahre der 6 Mio Jahre dicken Sedimentschicht
durchschnitten.
In der späten Steinzeit war das Tal fruchtbar und nach
Jäger
und Sammlern kamen die ersten Ackerbauern.
Sie erbauten die 240 Hünengräber die man heute noch
sehen
kann. Es gab bei den Magalithikern 2 Kulturkreise
die sich in Gorafe schnitten. Die Mittelmeerkultur und
Kontinentalkultur. Erkenntlich ist dies an den Eingängen der
Gräber
die bei der Kontinentalkultur oft an der Seite lagen und einen kleinen
vorgelagerten Gang bildeten. Die Mittelmeerkultur errichtete
größere Anlagen, deren
Eingänge meistens auf der Längsachse lagen. Einen
vorgelagerten Gang gab es nicht.
Alltagsgegenstände - gestern und heute:
Die meisten der 240 Grabanlagen sind nur unvollständig
über
die Zeit gekommen.
Das liegt vorrangig daran, dass die schützenden
Sandhügel in
den letzten 5000 Jahren von Wind und Wasser abgetragen wurden und so
die Steinblöcke der Erosion ausgesetzt waren.
Das die Steine heute frei in der Landschaft stehen, war also von den
Erbauern nie vorgesehen!
Das die Erdhügel unter Erosion leiden war ihnen aber schon
damals
bewusst. Sie bauten daher um das Grab noch einen kleineren Schutzring
aus Steinen.
Welche der Megalith-Gräber besonders gut erhalten sind und wo
man
sie finden kann
wird im ´Centro de Interpretación´ auf
Nachfrage
erklärt.
Mit diesem Wissen ausgerüstet begaben wir
uns in
den Norden des Canyon zu den ´Banos de Alicun´ Dort
befinden sich heiße Quellen mit einer Temperatur von etwa
25–28 °C.
Das Wasser ist reich an Mineralien. Während es sich
abkühlt
fallen die Mineralien aus und bilden ein natürliches
Aquädukt
das mehr als 10m hoch ist und durch die Landschaft mäandert.
Der
sich bildende Kalkstein wurde als Travertin abgebaut und vermarktet.
Es gibt im Umfeld einige Naturbäder, doch zum Baden war keine
Zeit, denn die Dolmen der Umgebung hatten Priorität.
Besonders
empfohlen hatte man uns im ´Centro de
Interpretación´
die Megalithanlagen 4 und 9. Nummer 4 fanden wir an einem Rundweg, doch
Nummer 9 wurde übersehen.
Im Umfeld gibt es auch steinzeitliche Petroglyphen. Doch zum Aufsuchen
war die Zeit zu knapp.
Weiter ging es zum Süden des Canyon zur Dolmengruppen
´Hoyas
del Conquín´.
Der Weg zur oberen Gruppe beginnt direkt an einem kleinen Parkplatz.
Nach etwa 50 Höhenmetern für die festes Schuhwerk und
ein
Stock zu empfehlen sind erreicht man den Dolmen 134.
Relativ eben
führt ein kleiner Pfad in Richtung Norden an
3 weiteren schlecht erhaltenen Gräbern vorbei.
Vom Parkplatz aus kann man auch in Richtung Süden einen Pfad
hinab
steigen.
Der Weg ist unkritisch und man kann dort seiner Liste nochmal einige
Dolmen hinzufügen.
Insgesamt haben wir an dem Tag mehr als ein Dutzend
Megalith-Gräber
gesehen.