Der Nachweis des Merkurschweifs gestaltete sich unerwartet schwierig.
Während er bei der Abendsichtbarkeit im April 2023 mit
gleicher Ausrüstung schon auf den Rohbildern sichtbar war
ließ er sich nun aus den Summenbildern nur mühsam
herausarbeiten. Das Helligkeitsverhältnis ist wegen der nicht
konstant gleichen Bedingungen auch kaum abschätzbar, doch
liegt es bei mindestens 1:10!
Insgesamt
lässt sich
sagen das der Natriumschweif bei der Morgensichtbarkeit
im Dezember 2025 deutlich schwächer war als bei der
Abendsichtbarkeit im
Dezember 2023. In beiden Fällen wurde zum theoretisch
optimalen
Zeitpunkt
16 Tage nach dem Perihel beobachtet, doch 2023 war der Natriumschweif
schon 2 Tage vorab
auf den Rohbildern gut sichtbar. Das war diesmal nicht der Fall!
Verwendet wurde wie 2 Jahre zuvor ein 135mm Teleobjektiv. Als
Kamera diente eine gekühlte ASI-1600Pro. Die Kamera ist
Schwarzweiß was ein Vorteil ist, da Gelb bei Farbkameras oft
in
die Rot-Grün-Lücke fällt. Zwischen Kamera
und Optik sitzt
ein 10nm Natriumfilter. Der Filter war in den 2 Jahren spürbar
gealtert. Am Rand war Filterfraß zu erkennen. Bei
Interferenzfiltern ein häufiges Problem. In Zentrum war der
Filter jedoch einwandfrei.
Im Vorfeld wurden zur Sicherheit per Aliexpress weitere Filter aus
China geordert. Sie sollten angeblich 20nm HWB besitzen sind aber
mit Sicherheit breiter. Konrad Horn hat bei einem Filter aus
der gleichen Quelle 50nm HWB gemessen.
In Andalusien wurde festgestellt, dass ein Stack des Alifilters mit dem
Omegon-21
den Kontrast spürbar optimiert, wobei der Ali die rechte Seite
definiert und der Omegon die Linke.
Der Effekt ist stärker als der Overlay der beiden Kurven
vermuten lässt.
Mit dieser Filterkombination hinter
einem 80mm f/4.8 Refraktor und
einer Sony7s gelangen Peter Slansky Aufnahmen des Natriumschweifs die
den Bildern mit dem 135mm
Tele überlegen sind.
Die Aliexpress-Filter kosteten in der einfachsten Version 49 Euro. Es
gab auch eine Variante für 69 Euro die versuchsweise
mitbestellt wurde, aber nur unwesentliche Unterschiede zeigt.
Vom 6.12.25 bis zum 12.12. gelang es jeden Morgen den Merkur zu sehen,
wobei nur in den ersten
Tagen der Himmel perfekt klar gewesen ist.
Am 13.12. wurde wegen der dichten Wolken
nicht mehr beobachtet.
Die erste Nacht nach der Ankunft verlief etwas chaotisch. Wir waren
nach der langen Fahrt schlecht vorbereitet.
Wir wählten einen Platz unterhalb des Alto-Velefique um eine
etwas windgeschützte Position zu finden.
Auf dem Pass herrscht praktisch immer ein starker Wind der
eine Beobachtung unmöglich macht.
Nach Kompass wurde zur passenden Zeit ein passendes Sternchen gesucht
das jedoch leider nicht der Merkur gewesen ist.
Zufällig wurde aber zuvor ein Teststern gewählt der
sich im Nachgang als Merkur entpuppte.
Die Lage war anhand der Umgebungssterne zu bestätigen.
So war denn doch noch in gleich in der ersten Nacht ein Treffer zu
verzeichnen. Es entstanden aber nur wenige
Bilder. Aus den 25 Aufnahmen ließ sich noch kein Schweif
herausarbeiten.
Der Merkurschweif zeigt wie bei einem Kometen stets von der
Sonne weg. Daher ist zur Orientierung in der Animation die
Richtung der Sonne angezeigt.
Besser waren die Bedingungen am 7.12. Wir standen
in dieser Nacht auf
dem Gipfel des Tetica direkt an der Funkstation was jedoch den Seestar
stark störte.
Der Schweif war nur mit Schwierigkeiten
nachweisbar, wobei es mit das beste
Ergebnis ist. Die Länge lag knapp unter 30 Bogenminuten was
einem Monddurchmesser entspricht. Peter Slansky konnte mit seiner
Ausrüstung die Ausdehnung bestätigen.
Es wurde auch mit einem 55mm Objektiv ohne Nachführung
experimentiert. Vor die Optik wurde ein alter 3nm-Na-Filter gesetzt. Es
ist bei der geringen Brennweite nur wenig zu erkennen.
Nach
Sonnenaufgang entstand ein Pano.
In der Ferne konnten wir das Observatorium des Calar Alto erkennen.
Am 8.12. wurde mit anderen Kameraeinstellugen experimentiert. Das
war vielleicht ein Fehler, denn der Schweif lies sich noch
schlechter nachweisen als am Vortag. Peter Slansky bestätigte
allerdings, dass auch mit seiner Ausrüstung der Merkurschweif
an diesem Tag schwächer zu erkennen war. Die
Schwäche ist
seltsam, weil
eigentlich bis zum Optimum am 9.12. die Helligkeit des Schweifs
hätte weiter ansteigen sollen. -
Es könnte an der schlechteren Transparenz an diesem Tag
gelegen haben.
Sonnenabgewandt ist nur ein schwacher
Schweifansatz zu erahnen.
Am 9.12. befand sich Merkur 16 Tage nach dem Perihel. Seine
Geschwindigkeit relativ zur Sonne ist an diesem Tag am
größten, was zur höchsten Schweifhelligkeit
führt. Das Resultat gleicht jedoch dem vom 7.12. Ein
spürbarer Sprung ist nicht zu erkennen.
Erneut sind etwas weniger als 30´ Schweiflänge
nachweisbar. 2022 und
2023 wurden Längen von über einem Grad nachgewiesen.
Nach dem 9.12. waren nur noch Beobachtungen durch Wolkenlücken
möglich. Es war jeden Morgen spannend, ob
wie überhaupt ein Resultat zustande bringen würden.
Die folgende Animation entstand am 12.12. würde aber auch zum
10.12. oder 11.12 passen.
Am
10.12. war der Schweif
nur noch schwach zu erahnen. Sebastian
Voltmer hatte 2022 schon berichtet, das nach dem Optimum die Helligkeit
schnell nachlässt.
Es wurden 103 Aufnahmen verwendet, doch die meisten davon entstanden
durch Dunst und der Merkur war nur schwierig zu erkennen.
Der Dunst begünstigte dafür die Entwicklung eines
schönen Mondhalos.
Am Morgen des 10.12. und des 11.12. schien die Wetterlage aussichtslos
und wir starteten von unseren Übernachtungsort in Bacares bei
weitgehend bedeckten Himmel, doch am Ende war doch das Glück
mit
dem Tüchtigen und durch einen Silberstreif am Horizont war der
Planet doch für einige Minuten ausreichend gut zu sehen.
Anders als am Vortag wurde in dieser Nacht der Dobson gar nicht
erst aufgebaut. Wie am Tag zuvor war ein Mondhalo zu sehen.
Vom Schweif ist nur noch wenig zu erahnen und am letzten Tag dem
12.12. war es auch nicht besser.
Hier waren aber durch die Wolkenlücken auch nur 33
Bilder mit verkürzter Belichtungszeit möglich.
Die im Vorfeld angeschafften Natriumfilter auch China erwiesen sich als
sehr breitbandig.
In Kombination mit dem Omegon-21 waren sie jedoch deutlich dunkler und
ließen sich so optimieren.
Mit dieser Filterkombination wurde Merkur am 10 Zoll f/5 Dobson auch
visuell beobachtet.
Am 7.12. war der Natriumschweif schwach sichtbar. Er zeigte die
typische Keilform eines Kometenschweifs
und es war erstaunlich, das dies auf den Rohbildern nicht klarer
erkennbar gewesen ist.
Auch am 8.12. wurde der Schweif mit dieser Filterkombination
beobachtet.
Der Schweif hatte im Okular eine eher homogene Helligkeit und
ließ sich mit Fieldsweeping bestätigen.
In den Folgetagen wurde visuell nicht beobachtet, da der Filter
fotografisch verwendet wurde.
Angesichts des grenzwertigen fotografischen Nachweises mag man die
visuelle Sichtung kaum glauben, aber da war schon
´irgendwas´ zu erkennen.
Als Fazit lässt sich sagen, das der günstige
Ali-Express-Filter trotz seiner Breitbandigkeit dennoch ein
überraschend gutes Ergebnis lieferte. Er war besser als der
alte
10nm-Filter der am Rand schon etwas gelitten hatte.
Das zeigen die Resultate von Peter Slansky recht deutlich. Er
verwendete mit der Sony7s eine ungekühlte Farbkamera. Sein 80mm
f/4.8 Teleskop war jedoch die leistungsfähigere Optik.
Die unterschiedliche Länge der Strichspuren zeigt, dass
wetterbedingt die Belichtungszeiten sehr unterschiedlich waren. Vom 7.
bis zum 10.12 wurden 58, 52, 42 und 29 Bilder gemittelt. An den letzten
beiden Tagen waren nur 9 bzw. 12 Bilder möglich. Alle Aufnahmen
entstanden mit 10s bei 3200 ASA.
Am Tag des Optimums dem 9.12. konnte Peter Slansky allerdings auch nur
eine Schweiflänge von etwa 30 Bogenminuten bestätigen: