Zum Abschluss des ersten Tages ging es zum „Versunkenen
Palast“,
eine in den 530er Jahren angelegte, sehr große unterirdische
Zisternenanlage.
Die Anlage ist eine der beeindruckendsten
Sehenswürdigkeiten der
Stadt. Kaiser Justinian ließ die Zisterne als Wasserspeicher
für den Großen Palast anlegen.
Sie hat ein Fassungsvermögen von ca. 80.000 Kubikmetern
Wasser.
Zwölf Reihen von 28, insgesamt also
336 jeweils acht Meter hohen
Säulen mit überwiegend korinthischen
Spolienkapitellen tragen
das Gewölbe. Das Wasser wurde über Aquädukte
aus dem
Hochland nördlich von Istanbul in die Stadt geleitet.
Zwei Säulen im nordwestlichen Teil der Zisterne stehen auf
umgekehrten Medusenhäuptern, die offenbar von einem anderen
Standort hierher transferiert wurden. Ihre ursprüngliche
Herkunft
ist unbekannt.
Früher wurden in der Zisterne Lichtspiele
inszeniert und über Lautsprecher klassische Musik gespielt.
Von Erdoğan wurde dies zu seiner Zeit als Istanbuler
Bürgermeister
als ´westlich dekadent´ verboten.
Die Zisterne muss regelmäßig leergepumpt werden um
begehbar
zu bleiben. Das Wasser das überall von der Decke tropft kommt
weder vom Niederschlag noch aus den alten Aquädukten, sondern
aus defekten Wasserleitungen der heutigen Stadt.
Einige Säulen tragen griechische Inschriften oder zeigen
ungewöhnliche Muster. Die obere Säule
könnte vom Forum des Theodosius stammen. Dort wurde am Abend
eine ähnliche Säule gesichtet.
Kannelierte Säulen gibt es nicht, was dafür spricht
das nicht alle aus einer Zweitverwertung kommen.
Am zweiten Tag wurde das
Archäologische Museum
besucht. Im Laufe
des neunzehnten Jahrhunderts begann die bestehende Bedeutung, die die
europäischen Staaten historischen Artefakten verliehen wurden,
allmählich auch vom Osmanischen Reich verstanden.
Der osmanische Sultan Abdülaziz wollte einen Museumsbau der
mit
ähnlichen Anlagen in Wien oder London des 19 Jh.
mithalten konnte. Der erste Kurator und Gründer des Museums
wurde
1881 berufen.
Das Museum verfügt über eine große Sammlung
türkischer, hellenistischer und römischer Artefakte.
Ein Highlight sind die Sarkophage der
königlichen Nekropole
von
Ayaa in Sidon.
Am bekanntesten ist der Alexander
Sarkophag
an dem sich Farbreste
erhalten haben.
Das hellenistische Werk zeigt die Schlachten Alexanders des
Großen.
Neben dem Alexander Sarkophag gibt es
einen
älteren Lykischen
Sarkophag.
Ein Marmorlöwe aus dem Mausoleum
von Mausolus, eines der
wenigen
Stücke, die in der Türkei verblieben sind.
In der Troja-Ausstellung ist die
Grabungsgeschichte gut dokumentiert.
Einzelne Funde werden den zahlreichen Schichten zugeordnet.
Aus Lydien kommen die ältesten
Münzen der Welt. Sie
werden
dem sagenhaft reichen König Krösus zugeschrieben.
In der archaischen Zeit vor 500 v.Chr
zeigten Keramiken noch
keine Figuren sondern geometrische Muster. Die Entwicklung der antiken
Keramik
ist gut dokumentiert.
Die Schatzkammer zeigt einige Goldfunde.
Eine ähnliche Krone
mit
Eichenlaub
gibt es in der Münchener Antikensammlung.
Per Hop-On/Hop-Off-Buss
wurde danach die Stadt besichtigt.
Vorbei ging
es vorbei am Dolmabahçe Palast der im Neo-Barock-Stil Mitte
des
19. Jh errichtet wurde.
Hier verwirklichten die Sultane einen baulichen Anspruch der es mit
den barocken Residenzen des Westen aufnehmen konnte.
Dabei wurde der klamme Staatshaushalt weiter ruiniert.
Der Umzug des Hofes aus dem alten Topkapı-Palast erfolgte unmittelbar
nach der Fertigstellung im Jahr 1856.
Zeitgleich entstand als Sommerpalast der Beylerbeyi-Palast. Er kommt
zusammen mit der Pammakaristos-Kirche (Fethiye-Museum) auf die
Zielliste für den nächsten Besuch.
Reste der römischen Stadmauer sind auch auf der Seeseite
sichtbar.
Ein Aquädukt
aus spätrömischer Zeit.
Ein
bekannte Touristenziel ist der große Basar.
Gegenüber gibt es Reste eines
Kaiserforums und die Reste der
Konstantinsäule sind auch nicht weit entfernt.
Am Abend wurde eine Show mit tanzenden
Derwischen
besucht.
Am Morgen des letzten Tages gab es noch einen Abstecher zur
bedeutendsten Moschee des 16 Jh.
Der Baumeister Sinan bezeichnete die Süleymaniye-Moschee als sein
´Gesellenstück´. Sie wurde
zwischen den Jahren 1550 und 1557 erbaut.
Zur Moschee gehört
eine
Krankenhaus
eine Islamschule und eine Armenküche. Es soll auch ein
Astronomisches Observatorium
geben.
Von der Innenstadt aus ist die Süleymaniye-Moschee nicht zu
erkennen und während man auf sie zuläuft
bleibt sie unsichtbar. Am Ende ist es fast eine Überraschung
vor
dem Riesenbau zu stehen
der zeitgleich mit dem spanischen Escorial errichtet wurde und sich mit
ihm messen kann.
Die Moschee befindet sich in einem Hof
von 216 mal 144 Metern, der auch
2 Türben und einen Friedhof umfasst. Die Innendekoration ist
verglichen z. B. mit der Hagia Sophia sparsam ausgeführt, sich
ganz der Architektur unterordnend. Die kristalline geometrische
Struktur des Baus sollte den Betrachter gefangen nehmen, nicht seine
Oberflächen.
Die Wandnische Richtung Mekka (Kibla) ist
mit erlesenen İznik-Fliesen
geschmückt, die Pflanzen und Blumen aus einem paradiesischen
Garten zeigen. Dieses Paradiesesthema wird in verstärktem
Maße wiederholt im Mausoleum von Süleyman und seiner
Frau
Roxelane.
Die Türben sind die osmanischen
Mausoleen. Hier ruhen
Süleyman der Prächtige und seine Lieblingsfrau
Roxelane.
Die Moschee wurde von Zeitgenossen auch als „zweite
Kaaba“
angesehen. Diese Analogien zur Kaaba sind kein Zufall, denn im
Mausoleum von Sultan Süleyman wurde über dem Eingang
ein
originales Stückchen des heiligen schwarzen Meteoriten der
Kaaba
eingefasst.