Istanbul
2026 - II

Neben dem byzantinischen Kaiserpalast befand sich in christlicher Zeit
die Hauptkirche des Kaiserreiches die heute noch steht und als
Hagia Sophia bekannt ist.

Das älteste
Minaret ist wie die Hagia Sophia selbst aus Backstein erbaut.
Kaiser Justinian verfolgte mit dem Bau
einer
Kuppelbasilika im 6.
Jahrhundert n. Chr. ein besonders ambitioniertes baupolitisches
Programm. Sie ist dabei nicht nur die letzte der spätantiken
Großkirchen, sondern gilt in ihrer architektonischen
Einzigartigkeit oft als eine Kirche ohne Vorbilder und ohne Nachahmung.
Die der göttlichen Weisheit gewidmete Kirche steht auf einem
Rechteck von rund 80 m Länge und 70 m Breite. Die Spannweite
der
Kuppel beträgt rund 32 m; der Kuppelraum ist vom
Fußboden
bis zum Kuppelscheitelpunkt 55 m hoch.

Die Kuppel gilt mit der gigantischen
Umsetzung und den Proportionen und
der besonderen Harmonie ihres Innenraums als eines der bedeutendsten
Gebäude aller Zeiten.
Die Hagia Sophia war die Kathedrale Konstantinopels, Hauptkirche des
Byzantinischen Reiches sowie religiöser Mittelpunkt der
Orthodoxie
und ist heute ein Wahrzeichen Istanbuls.

Nach der Eroberung Konstantinopels durch
die Osmanen im Jahr 1453
wurden christliche Insignien, Inneneinrichtung, Dekorationen und
Glocken der Hagia Sophia entfernt oder durch Putz verdeckt.
Anschließend als Hauptmoschee der Osmanen adaptiert, hatte
sie
großen Einfluss auf die Entfaltung der osmanischen Baukunst.
Die
osmanischen Sultane des 16. und 17. Jahrhunderts lehnten die Moscheen
an das bauliche Vorbild der Hagia Sophia an. Die Hauptwerke wurden hier
durch Sinan geschaffen.
Dass die Kirche in nur fünf Jahren entstand, spricht
für eine
äußerst gewissenhafte Bauplanung. Die enorme
Geschwindigkeit, mit der sie zwischen 532 und 537 errichtet wurde,
macht sie zu einer der bautechnischen Meisterleistungen aller Zeiten.
So übertreffen die vier großen Bögen an den
Hauptjochen
des Kranzgesimses mit 31 m noch die des Petersdoms im Vatikan um
über 6 m, wobei dieser aber ein ganzes Jahrtausend
später
entstand und ein Vielfaches der Zeit der Vollendung der Hagia Sophia
beanspruchte.
Schon zur Zeit der Eroberung Konstantinopels waren nur noch wenige
Mosaiken aus der Erbauungszeit erhalten. Wahrscheinlich gab es bis in
die Zeit nach dem byzantinischen Bilderstreit (729–843) keine
Mosaiken mit menschlichen oder tierischen Darstellungen.
Der Höhepunkt der byzantinischen Mosaikkunst lag im 10. bis
13.
Jh. und endete jäh mit der Eroberung durch die Kreuzfahrer.
Kurioserweise hat sich der Grabstein des Anführers der Eroberung
erhalten:

Das
Wenige, was nicht während und nach der Transformation zur
Moschee
vernichtet wurde, ist heute wieder freigelegt. Dazu zählen die
besonders wertvollen Mosaiken auf den oberen Galerien, die Kaiser
Alexander (912–913), Kaiserin Zoe (1028–1050) mit
ihrem
Gemahl Konstantin IX., Kaiser Johannes II. Komnenos
(1118–1143)
mit seiner Gemahlin Irene und ihrem Sohn Alexios († 1142).


Das prachtvollste Mosaik ist ein Andachtsbild, eine Deësis,
aus
dem 14. Jahrhundert, das Jesus mit Maria und Johannes dem
Täufer
zeigt. Der untere Teil mit den ehemals wohl vorhandenen Stifterfiguren
ist zerstört, die Gesichter blieben jedoch erhalten.

Die Mosaike sind über eine Galerie zugänglich die in
der
Spätantike den Frauen vorbehalten war. Hier thronte die
Kaiserin.

Wie
wir heutzutage, hatte die Kaiserin von der Galerie einen guten Blick in
den
Innenraum.

Die Gebestniesche steht etwas außerhalb der Ost-Westachse und
weist nach Mekka. Ein Zeichen dafür das sie erst nach dem bau
der Kirche eingebaut wurde.
Dort sieht man antike Säulen die
ähnlich wie in
Aaachen
nur eine schmückende und keine tragende Funktion besitzen. Die
Säulen stammen aus antiken Tempeln und wurden hierhin
versetzt.

Wer genau hinschaut kann die
unterschiedlichen Steinarten
erkennen. Einige Exemplare kommen
aus dem riesigen Jupitertempel in Baalbek.

Seit der Rückverwandlung in ein Moschee kann man als Besucher
nur noch die Galerie betreten.


Der Boden der Galerie ist noch aus der Enstehungszeit und 1500 Jahre
alt.

Die Wände waren mit dem gleichen Marmor verkleidet wie der
Boden, doch ist die Verkleidung dort nur teilweise erhalten.-
Fehlstellen versuchte man durch eine ähnliche Bemalung zu
kaschieren.


Aus der Entstehungszeit hat sich ein Lettner erhalten, der hier jedoch
nicht den Chor sondern den kaiserlichen Bereich der Galerie abgrenzt.



Für die heutigen Besucher
verschlossen ist eine
Kunsthistorisch bedeutende Figurengruppe mit Christus Pantokrator
(Weltenherrscher) über der Kaisertüre im inneren
Narthex (9.
Jahrhundert). Der kniende Kaiser ohne Namensbeischrift wird heute
zumeist mit Leon VI. (886–912) identifiziert.
Die Tür ist heute der Eingang
für die Moschee. Hinein
dürfen nur Muslims mit türkischen Pass.
Dies zeigt die Verlogenheit der Umwidmung durch Erdogan. Von den
nichttürkischen Muslims will man
weiter das Eintrittsgeld kassieren. Um eine Frage des Glaubens geht es
offenbar nicht.....
Alle anderen Moscheen in Istanbul dürfen ohne Eintritt von
jedermann besucht werden.
Der ´normale´ Ausgang
zeigt aber auch ein Mosaik. Zu sehen
ist hier der Stifter der Hagia Sophia.
Damit das Mosaik nicht versehendlich übersehen wird, ist am
Ausgang ein ´Rückspiegel´ angeracht.

Von Außen erscheint die Hagia Sophia als Zentralbau.
Tatsächlich ist sie jedoch eine
Mischform mit einer Basilika. Nur auf der Hauptachse wird die
Hauptkuppel durch 2 Halbkuppeln gestützt. Die Galerie
läuft
über den Seitenschiffen.
Dieses Muster kopierte Sinan bei seinen nachhaltig prägenden
Moschee-Bauten des 16 Jh.
Auch wenn das Erdgeschoss der Hagia Sophia heute gesperrt ist, kann man
das Raumgefühl
bei den anderen istanbuler Moscheen gut nachvollziehen.

Als nächstes ging es zum
Topkapi-Palast. Er war jahrhundertelang
der Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum
des Osmanischen Reiches.

Ihr heutiges Aussehen erhielt die Anlage
durch
umfangreiche Renovierungen und Erweiterungen bis zum Anfang des 18.
Jahrhunderts.
Der Palast besteht aus mehreren kleinen Gebäuden in einem
großen Garten. Mit einer Fläche von über 69
Hektar und
bis zu 5000 Bewohnern war der Palast eine eigene Stadt. Die Mauern und
Palastgebäude bilden vier Höfe mit Gartenanlagen. Nur
edelstes Baumaterial wie Marmor und Tropenhölzer, kostbarste
Teppiche und teuerstes Mobiliar wurden verwendet.
Links hinter dem Tor liegt
Konstantinopels
älteste Kirche, die
Hagia Irene, die zur osmanischen Zeit als Waffenlager genutzt wurde und
heute ein Museum und Veranstaltungsraum ist.

Von der einstigen Pracht
der Kirche ist nicht mehr viel übrig.
Die Wände sind nur ein kahles Ziegelmauerwerk. Immerhin ist es
eines der ältesten erhaltenen Bauwerke in Istanbul.
Die Ziegel stammen aus der Zeit vor 800.
Wie die Hagia Sophia ist auch die Hagia Irene eine Mischung aus
Basilika und Zentralbau.
Die Kuppel ist jedoch nicht mittig sondern deutlich zur Apsis versetzt.
In der der Apsiskalotte befindet sich die schlecht erhaltene
Darstellung eines großes Kreuzes.



Durch das Begrüßungstor betritt man den zweiten Hof,
der das
politische Zentrum war.
Auf der Ostseite war über die gesamte Länge die
Palastküche untergebracht, die täglich bis zu 6000
Mahlzeiten
herstellte. Dort ist heute das Palastgeschirr ausgestellt und man
erfährt einiges über den Alltag des damaligen
Personals.





In den dritten Hof gelangt man durch das ‚Tor der
Glückseligkeit‘. Der Hof durfte nur nach
ausdrücklicher
Erlaubnis betreten werden. Hier befand sich der Thronsaal für
Empfänge der höchsten Staatsbediensteten, der Wesire,
und
ausländischer Gäste.


Dort waren auch die Privatgemächer des Sultans und seiner
Haremsdamen, bis zu 2000 Frauen, die unter der Leitung der
Sultansmutter in diesen Räumen lebten.






Die unterschiedlichen Bediensteten des
Hofes konnte man an ihren
Hüten erkennen. Die spitzen Hüte trugen die
Holzbeschaffer die für die Heizung des Palastes
zuständig
waren. Sie warfen in der Nähe des Harems stationiert
aber keine Eunuchen. Für die Aufgabe wurden gern Homosexuelle
verwendet.



Die Holzbeschaffer hatten ein angenehmes
Quartier mit eigenen Bad. -
Der Sklave an der Pforte
war dagegen deutlich schlechter untergebracht.

Die Oberschicht der Palastbediensteten
waren die Eunuchen. Als
besonders teuer galten schwarze Eunuchen. Da die sich ja nicht
fortpflanzten, mussten sie immer wieder neu aus Afrika importiert
werden.
Die Eunuchen hatten sehr komfortable Räumlichkeiten.


In den Gemächern des Sultans konnte man die Hauptbauzeit des
Palastes im 18 Jh. am deutlichsten erkennen.
Es gibt eine spürbare Verwandtschaft zur barocken
Palastarchitektur in Europa.



Beim Baden ließ sich der Sultan in
einen goldenen
Käfig
einsperren, um vor Attentätern sicher zu sein.



Im vierten Hof befanden sich Parkanlagen und Gärten auf
verschiedenen Terrassen. Erhalten sind mehrere bedeutende Pavillons
bzw. Kioske, u. a. der Baghdad Kiosk der 1638 erbaut wurde.




Im Konferenzraum gab es Wasserspiele. Ihr Rauschen sollte das
Abhöhren der Gespräche erschweren.

Die Schatzkammer enthält Gewänder, Juwelen und Waffen
aus dem
osmanischen Reich, u.a. den berühmten Dolch der Filmgeschichte
geschrieben hat.















Eine Besonderheit ist die Sammlung
islamischen Reliquien. Hier findet
man den Stab mit dem Moses das Meer teilte und zahlreiche Barthaare des
Propheten.
Sultan Selim I. brachte einen Teil der Reliquien im Jahre 1517 von
seinem Ägyptenfeldzug mit. Insgesamt handelt es sich um 605
Gegenstände.


Die bekanntesten Reliquien sind:
- Ein goldener Schrein mit dem Mantel des Propheten (Hırka-i Şerif)
- Die Standarte des Propheten (Sancak-i Şerif)
- Pfeil und Bogen des Propheten (Kavs-i Saâdet)
- Das Schwert des Propheten und Schwerter wichtiger Prophetengenossen
- Ein Brief des Propheten an einen Lügenpropheten
- Verschiedene Fußspuren des Propheten
- Das Siegel des Propheten (Mühr-i Saâdet), eine
Kopie des
Siegels Mohammeds
- Ein Koranexemplar, das der Kalif Uthman ibn Affan unmittelbar vor
seiner Ermordung gelesen haben soll
- Ein Kelch des Propheten (Kadeh-i Şerif)
- Der Stab des Propheten (Asa-i Nebevi)
- Schuhe des Propheten (Na'l-i Şerif)
- Ein steinerner Topf Abrahams
- Ein Schwert Davids
- Drei Sandalen, die als başmak-ı şerif bezeichnet werden
Wie bei ähnlichen, christlichen Reliqiuen ist die
Authenzität
unbewiesen, was jedoch die Verehrung nicht mindert.
In der Reliquien-Kammer gibt es einen Vorleser, der laufend aus dem
Koran zitiert und manchmal wütend auf den Tisch
schlägt wenn
ihm was nicht passt.





Das jüngste Gebäude des Palastes ist ein Pavillion aus der
Zeit um 1900. Damals versuchten die letzten Sultane die historistische,
europäische Architektur zu kopieren um Repräsentation mit
modernen Komfort zu verbinden.


Der Garten bietet viel Natur und es waren zahlreiche Krähen zu
sehen, die sich von den deutschen Krähen sichtbar unterscheiden.




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