Istanbul
2026 - I

Im März 2026 wurde endlich ein Reiseziel angesteuert das schon
länger auf der Liste stand.
Während Rom schon vor Jahrzehnten besichtigt wurde kam die
spätere Hauptstadt des Römischen Reiches am Bosperus bislang
zu kurz. In der Nebensaison konnte eine 4-Tägige Istanbul-Reise
mit 3 Übernachtungen inklusive Flug für 299 Euro gebucht
werden.
Das war ein Angebot das man nicht ablehnen konnte.
Die Ankunft erfolgte über den Flughafen Sabiha Gökçen.
Von dort fährt man fast 2 Stunden in die Innenstadt.
Sabiha-Gökçen ist bei Billig-Airlines beliebt und gilt als
völlig überlastet.
Die lange fahrt in die Innenstadt ging vorbei an modernen Stadtvierteln
die eher an New York erinnern.


Das Hotel war für den Preis in der unteren Kategorie. An den
Wänden blätterte die Tapete ab und die Möbel waren krumm
und schief.
Immerhin lief während des Besuchs grade die Restaurierung. Im WC
war am 3 Tag frisch angestrichen....doch den Schimmel an der Tür
hatte man vergessen.
Das Hotel hatte den großen Vorteil direkt an der
Straßenbahnlinie zum Goldenen Horn zu liegen.
Ohne Umsteigen war die Fahrt in 20min möglich. Fahrscheine gibt es
nur in Form einer aufladbaren Plastikarte.
Generell gibt es nur noch wenig Bargeld, weil der größte
Schein einen Wert von 200 Lira besitzt, was nach Stand 2026 lediglich 4
Euro entspricht.
Da je ein Tag für An- und Abreise benötigt wird, bleiben
für den Städtetrip nur 2 Tage übrig. Um bei den
Highlights nichts zu verpassen, wurde ein deutschsprachiger Guide
gebucht.
Es gab eine Abholung im Hotel und an dem Tag gab es keine weiteren
Teilnehmer, so das es eine Exklusivtour wurde.
In Istanbul hat es seit dem Regierungsantritt von Recep Erdoğan
einige Änderungen gegeben, worüber die Bevölkerung
unzufrieden ist. Während Präsident Erdoğan in den
ländlichen Regionen noch viele Anhänger besitzen soll
ist er in Istanbul nur noch schlecht angesehen.
Bauliche Prestigeobjekte wie eine weitgehend ungenutzte Riesenmoschee
in seinem Geburtsstadtteil
und ein wenig genutzter überteuerter Flughafen beförderten
die Hyperinflation.
Weitere Prestigeobjekte sind die Größte Flagge der Welt und
ein seltsamer ungenutzter Fernsehturm.
All dies ist über dem Ostufer der Stadt zu sehen.


Einsparungen gab es dagegen im
Kulturbereich. Musik und Theater wurden
eingeschränkt und touristische Ziele geschlossen. So wurden
Chora-Kirche und Hagia-Sophia aus Propaganda-Gründen in Moscheen
zurückverwandelt obwohl es dafür keinen Bedarf gibt. Die
Chora-Kirche hat die bedeutendsten
byzantinischen Mosaike der Stadt und ist nun wegen des
´Umbaus´ auf Jahre komplett geschlossen.
Die Preise für die verbliebenen Attraktionen wurden massiv
hochgesetzt.
Klar ist, dass weder Besucher noch Tourist-Guides über die
Einschränkungen glücklich sind.
Man spottet gern über den ´kleinen Pascha´ der so gern
Kalif sein möchte, macht dies aber doch lieber hinter
vorgehaltener Hand um Ärger zu vermeiden.
Unsere Tour startete am ´Deutschen Brunnen´. Dieser Brunnen
steht auf dem Platz des ehemaligen Hippodroms.
Er war ein Geschenk ´des Kaisers der Deutschen´ an den
´Kaiser der Osmanen´ anlässlich eines Besuchs
vom ´Reisekaiser´ Wilhelm II im Jahr 1898.

In den Verzierungen sieht man die
Monogramme der beiden Herrscher.

Das
Geschenk eines Brunnens mit kostenlosem sauberem Wasser für das
Volk galt nach nahöstlicher Mentalität als besonders
verdienstvolle Wohltat und sollte den Ruhm des hochherzigen
Wohltäters, des Kaisers des Deutschen Reiches, mehren und sichern.
Heute ist die Zufuhr an Frischwasser leider gekappt, der Brunnen wird
mit einem Tankwagen befüllt.
Das Hippodrom in Istanbul wurde ca. 203 n. Chr. durch Kaiser Septimus
Severus erbaut und um 330 n.Chr
als der römische Kaiser Konstantin I. seinen Regierungssitz von
Rom nach Byzanz verlagerte weiter ausgebaut. Das neue
größere Hippodrom bot Platz für ungefähr 100.000
Zuschauer und war in Form eines ´U´ gebaut. Um die
repräsentative Wirkung zu erhöhen, erwarb Kaiser Konstantin
zahlreiche Kunstmonumente aus aller Welt, welche dann die Rennbahn
schmückten.

Ein markantes Beispiel ist die Schlangensäule, eine
wunderschöne Säule aus drei ineinander verschlungenen
Schlangen, deren Köpfe einst den Fuß für eine goldene
Schale bildeten. Die Säule ragt heute in eine Höhe von knapp
sechs Metern. Schale und Schlangenköpfe gingen leider im Lauf der
Zeit verloren. Ursprünglich war sie Teil eines Altars, welcher im
Tempel des Apollo von Delphi stand.
Die Säule ist 500 Jahre älter als das Hippodrom und war schon
damals ´antik´.

Ein weiteres antikes Monument in einem
bemerkenswert guten Zustand ist
ein Obelisk aus Ägypten. Dieser stand ursprünglich in einem
Tempel in Luxor und wurde ca. 1500 v. Chr. unter Thutmosis III. aus
rosa Granit erbaut.
Fast 2000 Jahre später wurde er von Kaiser Theodosius aus
Ägypten nach Konstantinopel gebracht.
Kaiser Theodosius ist auf den 4 Seiten des Sockels mit seinem Hofstaat
abgebildet.






Einige der Reliefs aus dem 4 Jh. zeigen
ich n im Zusammenhang mit den
Wagenrennen als
denjenigen der den Siegerkranz überreicht


Die U-förmigen Sitzreihen des
Hippodroms wurden in späterer
zeit überbaut.
Im Untergeschoss des Museums für islamische Kunst sind noch Reste
zu sehen, so das man mit etwas Phantasie einen Eindruck von der
riesigen Größe der Anlage bekommen kann, die mehr
Sitzplätze hatte, als jedes heutige europäische
Fussballstadion.

Das Gebäude ist der Palast eines
ehemaligen Wesirs aus dem 16 Jh.
Insgesamt ist die Sammlung im Museum für islamische Kunst eher
bescheiden. Wegen des Bilderverbots besteht
sie hauptsächlich aus Handschriften es Korans, die man als
Europäer nicht lesen und angemessen würdigen kann.



Die Metallarbeiten des Museums erlauben
es, einen Überblick
über die Entwicklung von 800 Jahren zu gewinnen, von almohadischen
Astrolabien, über seldschukische Türklopfer in Drachenform,
anatolische Kerzenständer, mamlukische Wasserbecken bis hin zu
osmanischem Turbanschmuck, Weihrauchbehältern, Kannen, Standarten
und Tischgedecken.

Die Sammlung umfasst einige im Westen als
Holbein-Teppiche bekannte
Exemplare mit geometrischen Mustern des 16 und 17 Jh.

Auf der Ostseite sind die ehemaligen Sitzreihen des Hippodroms mit der
Sultan-Ahmed-Moschee überbaut.
Auch Teile des byzantinischen Kaiserpalastes befanden sich hier.
Die Sultan-Ahmed-Moschee ist im deutschen Sprachraum als ´Blaue
Moschee´ bekannt. Sie steht in der Tradition des Baumeisters
Sinan, wurde aber von seinem Schüler Mehmet Ağa 1616 erbaut.





Kunsthistorisch bedeutsam sind die
Fliesen auf dem unteren Teil der
Mauern. Sie stammen aus der Blütezeit der İznik-Fayencen und
zeigen traditionelle Pflanzenmotive, bei denen Grün- und
Blautöne dominieren.


Der Gebetsraum ist mit 53 m Länge
und 51 m Breite fast
quadratisch. Die Hauptkuppel hat einen Durchmesser von 23,5 m und ist
43 m hoch. In der angrenzenden Türbe, die für die Besucher
geöffnet ist, ruhen Ahmed I., seine Frau und drei seiner
Söhne.
Das Grab des Sultans ist durch einen Turban gekennzeichnet.



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