Reise nach La Palma im November 2013


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Besuch des 2,5m Newton Teleskops und Calderawanderung

Am dritten Tag hatten wir uns zur Besichtigung des Observatorium Roque de los Muchachos angemeldet.

Der Himmel auf dem 2426m hohen Berg war wolkenverhangen als wir uns um 9:30 auf dem Helikopterplatz einfanden. 

Der Guide verspätete sich etwas weil die Touren exakt an diesem Tag zum ersten mal unter neuer Leitung stattfanden.

 Dabei war der Treffpunkt geändert worden. In Zukunft beginnen die Touren unten am Besucherzentrum. Die Tour begann mit einer allgemeinen Einführung. Zuerst wurde die Baugeschichte erläutert und die verschiedenen Teleskope vorgestellt. Dabei wurde der Calderarand per Fingerzeig von rechts nach links abgefahren. Ganz rechts steht das Größte Teleskop Europas. Das GranTeCan (GTC) wurde als englisch spanische Initiative gestartet, ist heute aber zu 90% ein spanisches Teleskop mit 10,4m Öffnung ist es das größte Teleskop Europas und zugleich das größte Einzelteleskop der Welt.

Ihm folgt das italienische Galileo-Teleskop mit 3,5m Spiegeldurchmesser. 

Als nächstes steht das NOT auf dem Calderakamm. Es ist nur 2,5m groß und ein Gemeinschaftsprojekt mehrere Skandinavischer Staaten. 

Eine Sonderstellung nehmen die beiden Sonnenteleskope ein. Sie sind am Tag im Betrieb und können daher nicht besichtigt werden. Um sicherzustellen das die Sonnenbeobachtung durch Flugzeugzirren nicht beeinträchtigt wird, darf das Observatorium nicht überflogen werden. An den beiden Sonnenteleskopen sind Schweden, Dänemark und die Niederlande beteiligt. 

Zu Holland gehört auch das nächste Gerät, das Jan-Kapteyn-Teleskop. Dieses kleine Instrument ist heute nicht mehr in Funktion. Es wird nur noch zu Ausbildungszwecken benutzt. 

Ganz am Ende des Kamms steht eine Gruppe von Teleskopen die unter britischer Regie stehen. 

Das größte Exemplar ist das 4m Herschel-Teleskop. 

Daneben steht das 2,5m Newton-Teleskop. Es ist das fünft größte und zugleich das älteste Instrument auf dem Caldera-Rand und war das Ziel unserer Innenbesichtigung. 

Das Newton-Teleskop ist ein fast historisches Instrument. Es war viele Jahre in England in Betrieb bevor es auf die Insel verlagert wurde. Es steht auf einer klassischen Gabelmontierung und verfügt noch über ein Leitrohr. 

Die optische Konstruktion erinnerte an das heimische Teleskop in München. Anders als der Name vermuten lässt es kein ´Newton´ sondern ein Cassegrain mit optionalen drehbaren Tertiärspiegel. So gibt es 3 mögliche Strahlengänge. Einen Cassegrain-Fokus und zwei optionale Nasmyth-Foki.

Zur Zeit ist jedoch keiner der 3 Foki in Betrieb. Statt dessen wurde der Fangspiegel ausgebaut und durch eine moderne CCD-Kamera ersetzt.

Die Kamera wird mit Stickstoff gekühlt. Die Kühlung lief auch am Tag und bildete auf der Kamerarückseite einen Eispanzer.

Neben dem Leitrohr erinnert eine nicht mehr genutzte kleine (Schmidt?) Kamera an vergangene Zeiten.

In der Kuppel befindet sich eine Tafel die an die Einweihung der Sternwarte erinnert. Damals waren 4 Könige und zusätzlich einige Präsidenten anwesend. 

Eine Anekdote besagt, dass die 4 Helikopterlandeplätze beim Besucherzentrum deshalb existieren damit alle 4 Könige gleichzeitig zur Landung ansetzen konnten, sich also niemand bevorzugt oder benachteiligt fühlen konnte. 


Der weitere Rundgang führte durch den Kontrollraum. Hier war das Alter des Teleskops am besten zu erkennen. Die Technik erinnerte sehr an die frühen 70er Jahre. Die Kontrollpulte hatten den Charme der ersten Fernseh-Enterprise unter Kapitän Kirk. 


Im Kontrollraum hingen auch einige Poster die mit dem 2,5m Spiegel entstanden sind.

Das Kameragesichtsfeld ist viel kleiner als das 5 mal 3,5 Grad große Poster. Das Bild wurde mühsam als Mosaik zusammengesetzt.


Die Teleskopführung war Mittag zu Ende und wir konnten uns noch etwas das umliegende Gelände anschauen. Bis zur Caldera waren es nur wenige Meter. 

Trotz Wolken waren die benachbarten Inseln an diesem Tag besonders gut zu sehen. 


Am Nachmittag entschlossen wir uns trotz des regnerischen Wetters die Hauptsehenswürdigkeit der Insel anzusteuern, den Nationalpark der Caldera de Taburiente. Vom Roque de la Muchahos ist dies eine recht lange Strecke und benötigt fast 3 Stunden. Das Problem sind die zahlreichen Serpentinen und die kurvige Küstenstraße. Landschaftlich hat die Strecke jedoch viel zu bieten. Immer wieder gibt es Aussichtspunkte mit einem weiten Blick auf das Meer. Das folgende Pano zeigt den Blick von El Time, einem Café mit Aussicht auf die Tiefebene mit Los LLanos und Puntagorda

Deutlich sind die verschiedene Klimazonen zu spüren. Der Gipfel liegt über der Baumgrenze. Er ist sehr trocken und karg. Am Berg gibt es dagegen dichte Pinienwälder. Unten am Meer leben die Menschen. Es gibt nur noch wenig Wald aber dafür viele Kakteen, die ganze Straßenzüge säumen. Das wichtigste landwirtschaftliche Produkt ist die Banane. Etwa 10% der Insulaner ist in der Bananenproduktion beschäftigt.




Die Caldera de Taburiente kann man in mehreren Touren erwandern. Gut erreichbar sind 3 Aussichtspunkte die dicht beieinander liegen.

Wegen des Regens und der knappen Zeit wurden nur 2 Punkte angesteuert. Zur Cumbrecita auf 1287m Höhe kann man direkt mit dem Auto fahren. Von dort aus ist in 20min Fussmarsch der Mirador de las Chozas zu erreichen. Beide Punkte erlauben den Blick von unten in die Caldera mit ihren steilen Felshängen. Eine sehr beeindruckende Landschaft! Einzelne Schautafeln erklären die Vegetation und die Erosionsprozesse.


Das Besucherzentrum ist ein nüchterner Bau mit wenigen Exponaten und vielen Schautafeln.

Im Besucherzentrum gibt es weitere Informationen zum Entstehungsprozess. Die Caldera ist keine Folge einer Explosion wie beim Mount St.Helens sondern die Folge eines gewaltigen Bergrutsch bei dem der Vulkankegel einstürzte. Das Gestein besteht aus lockerer Asche und in nur wenigen Hunderttausend Jahren wurde die Caldera ausgewaschen.

Der letzte große Ausbruch ist etwa 1,1 Mio Jahre her. Im Norden der Insel wurden durch den riesigen Roque die kleineren Vulkane überlagert. Im Süden der Insel ist dies anders. Dort gibt es eine Reihe kleinerer Schlote die oft nur wenige Hundert Jahre alt sind. Der jüngste Vulkan ist der Teneguia der erst 1971 sein heutiges Aussehen erhalten hat.





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