Das AKM Seminar 2026 fand in Göttingen statt. Die dortige
Jugendherberge war am Wochenende fast leer und bot den Teilnehmern
reichlich Platz.
Der
Seminarraum wurde mit den fast 50 Vor-Ort-Teilnehmern trotzdem ohne
Platzreserve gefüllt, was nach den Vorträgen wieder
den engen Austausch von Beobachtungen, Erlebnissen und Ideen
ermöglichte.
Der gute Seminarbesuch hatte nicht nur mit dem aus fast ganz
Deutschland günstig erreichbaren Tagungsort zu tun, und hing
auch nicht allein mit der nochmals (auf 125) gestiegenen Mitgliederzahl
des AKM zusammen, von der ein knappes Drittel zugegen war.
Mittagessen in der Herbergskantine.
Gut
aufgenommen werden auch stets Vor-Ort-Versuche und Exponate. So
demonstrierte Reinhard Nitze aus Barsinghausen u.a. mit Meteoriten
seinen an Reif, Eiskristallen und Schneeflocken bewährten
Mikrofotografieaufbau, und auch Alexander Haußmanns in der
Luft schwebende Glasperlenbögen fanden alte und neue Fans
Ein 11 g schwerer Steinbach- Meteorit wurde gegen 10 Euro Einsatz
verlost.
Die jüngste Tagungsteilnehmerin Klara Dittié aus
Königswinter fungierte als Glücksfee und zog das Los
von Michael Anton aus Diepenau.
Ein
klassisches AKM-Thema sind seit 1974 die Halobeobachtungen,
und
darüber referierte erneut Wolfgang Hinz. Eine systematische
Aufschlüsselung findet seit 1986 statt, so dass in die mit 40
Jahren weltweit längsten Reihe fast 200 Tsd. Halos in eine
Datenbank eingegangen sind.
Alexander Haußmann hatte sich dem speziellen Thema von
Polarisation bei Halos zugewandt.
Zurück zum riesigen Fundus systematischer Halobeobachtungen.
Da sich zu dessen Weiterbetreuung noch kein Nachfolger für
Wolfgang fand, hat sich Sirko Molau die Python-Software HALOpy
erstellen (lassen), mit der die systematischen Halobeobachtungen
künftig vereinfacht und beschleunigt erfasst werden sollen.
Die zweite halobezogene KI-Anwendung Sirkos heißt HALOassist
bzw. im Scherz „Virtueller Wolfgang“.
Jürgen
Rendtel führte die Zuhörerschaft
zurück auf die Praxis der visuellen Meteorbeobachtung im
zurückliegenden Jahr. Aus ihren Daten konnten 2025
Feinstrukturen in den Leoniden ermittelt werden, und nach Anwendung
eines Faktors 2 kamen die visuellen Beobachtungen bei Vollmond in
Übereinstimmung mit den Daten aus Kameranetzwerken.
Bernd
Gaehrken aus München und Peter C. Slansky aus Kempen
stellten Videometeore vor, die sie mit drei Kameras auf dem Calar Alto
in Südspanien simultan einfingen
Besonders erpicht waren sie dabei auf „green
trains“, das sind im Licht einer Sauerstofflinie
grün nachleuchtende Plasmaspuren. Es zeigte sich, dass Meteore
teilweise mit „unkorrelierter“ Helligkeit in den
drei Videos erschienen, was zu einer multiplen Typisierung
führte, deren Ursache den Beobachtern aber noch Kopfzerbrechen
macht.
In einem
Vortrag von Peter C. Slansky ging es um das Einstellen von
GPS-Zeitsignalen auf die Audiospur von Videos etwa mit Meteoren und
Sternbedeckungen. Hier sind die Unterschiede zwischen der TAI
(Atomzeit) und der astronomisch relevanten UTC zu
berücksichtigen, welche inzwischen 37 s ausmachen.
Björn Kattentidt aus Neutraubling hatte einige von ihm
komplett entwickelte Zeittaktgeber mitgebracht.
Ulrich Sperberg aus Salzwedel hat in Bibliotheken originale Berichte
und Meldungen über eine ganze Reihe gut 100 Jahre
zurückliegender Meteorbeobachtungskampagnen aus Gasballons in
Frankreich, England, dem Deutschen und Russischen Reich recherchiert.
Beteiligt war dabei sogar eine der ersten in Europa studierten
Astronominnen mit, die US-Amerikanerin Dorothea Klumpke-Roberts.
Handfestes wurde von Frank und Sabine Wächter aus Radebeul
gezeigt. Sie haben gleich mehrere Fundorte von Moldawiten im Bayrischen
Wald, Böhmen und von ähnlichen Tektiten in der
Lausitz kompiliert und teilweise auch besucht.
Andreas Möller gab eine instruktive Übersicht
über die Satelliten zur Überwachung der Sonne und
Vorhersage von Sonnenstürmen in der irdischen
Magnetosphäre. Im Einzelnen vorgestellt wurden GOES, SDO,
SOHO, STEREO, ACE, DSCOVR.
Bernd Gaehrken hat sich die Aufgabe gestellt, Elmsfeuer, das sind
niederatmosphärische Koronaentladungen an Metallspitzen, in
der Großstadt zu dokumentieren, wo sie etwa zweimal im Monat
vorkommen. Spektral breitbandig ist das mangels Kontrast gegen den
aufgehellten Himmel nicht möglich. Mit Kameras fürs
UV-B gelingt die Detektion hingegen sogar am Tag, sie sind aber
für Amateure unerschwinglich. Bernd wählte und
optimierte daher eine Filterlösung im UV-A bei 350 nm, und
damit gelangen ihm nächtliche Nachweise an Blitzableitern
eines Münchener Hochhauses.
Um den hierzulande häufigen Wolken zu entgehen, sind Petra und
Jörg Strunk im August 2025 aus Herford nach Namibia gereist,
hatten aber das Pech, dass von fünf Nächten auf einer
Astrofarm vier ausfielen, durch Wolken... Für Trost angesichts
der geringen Ausbeute an nächtlichen Fotos sorgten aber tags
solche mit den Schönheiten der dortigen Landschaft und
Tierwelt.
Elmar
Schmidt aus Bad Schönborn reist seit 2007 an
astronomische Spitzenstandorte, in seinem Fall, um totale
Mondfinsternisse zu photometrieren
In Göttingen wurde über totaler Finsternisse der
Jahre 2025/26 bverichtet. Für sie wurden erfolgreiche
Kampagnen in Nevada, Armenien und Hawai‘i
durchgeführt, Die Minimumhelligkeiten von inzwischen 15
Finsternissen korrelieren gut (r = -0,76) mit der
Kernschattenmagnitude, das ist die Eindringtiefe des Mondes in die
Umbra (Erdkernschatten), wie es Simulationen des die
Atmosphäre streifenden und in den Erdschatten gelenkten
Sonnenlichts erwarten lassen. Weitere Korrelationen wurden nicht
gefunden.
Beim sog.
Oppositionseffekt konnte aus den besten Lichtkurven einiger
Mondfinsternisse die bislang nur vermutete Erwartung bestätigt
werden, dass der Oppositionseffekt die Abschwächung des Mondes
im äußeren Halbschatten überkompensiert.
Dieses Ergebnis soll in der ganz in Mitteleuropa sichtbaren reinen
Halbschattenfinsternis am 27. Februar 2027 erhärtet werden.
Wolfgang
Dzieran aus Bad Lippspringe hat sich der Frage zugewandt, wie
lange eigentlich ein Sonnenuntergang dauert. An zwei nur zwei Tage
auseinanderliegenden Abenden stellte er am Strand von Amrum fest, dass
der erste Sonnenuntergang recht nahe an den durch
Sonnengröße und Tagbogenrichtung gegebenen 4 min 18
s lag, der zweite aber fast 7 min dauerte, wenn man sein Ende am
letzten sichtbaren Sonnenfleck am Horizont festmacht. Solche
Unterschiede hängen mit tagesabhängig variierender
Strahlanhebung durch atmosphärische Refraktion zusammen.
Der Tagungsort Göttingen ermöglichte einen
Tagungsausflug in die Erdbebenwarte des Göttinger Wartebergs.
Dieser spektakuläre Feld- und Waldversuch beschloss die
samstagnachmittägliche Führung der Seminarteilnehmer
zu historischen Gebäuden der Göttinger Geophysik.
Durch den Fall einer 4t schweren Stahkugel haben die deutlich
spürbaren Bodenwellen ab 1908 erstmals die seismische
Exploration von Bodenschätzen wie Erdöl
begründet.
Die Erdbebenwarte ist die älteste der Welt.
Gegründet
wurde sie von dem Göttinger Physikprofessor
Emil Wiechert, welcher vor etwa 125 Jahren tonnenschwere und rein
mechanische Seismometer konstruierte, die heute zwar durch kompaktere
Geräte ersetzt sind, aber immer noch als empfindliche Referenz
zu diesen mitbetrieben werden,
Die 3 Seismografen decken die 3 Raumdimensionen ab. Sie basieren auf
der Technik des umgedrehten Pendels.
Eine weitere
frühe Leistung der Göttinger Geophysik
war die Untersuchung geomagnetischer Störungen und
solar-terrestrischer Beziehungen, durch Julius Bartels, welcher damit
zum Pionier des heute als Weltraumwetter bezeichneten Gebietes wurde.
Gründungsväter der Göttinger Magnetik waren
jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts der Mathematikerfürst Carl
Friedrich Gauß und sein Kooperant Wilhelm Weber. Neben der
Messung und Kartierung des Erdmagnetfeldes hatten sie schon
festgestellt, dass sich dieses kurzzeitig ändert und das
vermutlich nicht vom Erdinnern ausgehend.
Ihr
früher neben der
Stadtsternwarte stehendes, ganz aus Holz gebautes
„Magnethaus“ wurde neben der Erdbebenwarte wieder
aufgebaut, wo die AKMler neben historischen Messungen und
Geräten auch einen Nachbau des Magnettelegraphen der beiden
Herren von 1833 vorgeführt bekamen. Auch das Gruppenfoto
entstand dort.
Es gab auch ein Online-Teilnehmerfoto mit allerlei bekannten Gesichtern:
Danke an Elmar Schmidt.
Der Text basiert in einigen Passagen auf seinem
ausführlicheren Tagungsbericht.