AKM Seminar 21.3.2026


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Das AKM Seminar 2026 fand in Göttingen statt. Die dortige Jugendherberge war am Wochenende fast leer und bot den Teilnehmern reichlich Platz.


Der Seminarraum wurde mit den fast 50 Vor-Ort-Teilnehmern trotzdem ohne Platzreserve gefüllt, was nach den Vorträgen wieder den engen Austausch von Beobachtungen, Erlebnissen und Ideen ermöglichte. Der gute Seminarbesuch hatte nicht nur mit dem aus fast ganz Deutschland günstig erreichbaren Tagungsort zu tun, und hing auch nicht allein mit der nochmals (auf 125) gestiegenen Mitgliederzahl des AKM zusammen, von der ein knappes Drittel zugegen war.

Mittagessen in der Herbergskantine.

Gut aufgenommen werden auch stets Vor-Ort-Versuche und Exponate. So demonstrierte Reinhard Nitze aus Barsinghausen u.a. mit Meteoriten seinen an Reif, Eiskristallen und Schneeflocken bewährten Mikrofotografieaufbau, und auch Alexander Haußmanns in der Luft schwebende Glasperlenbögen fanden alte und neue Fans

Ein 11 g schwerer Steinbach- Meteorit wurde gegen 10 Euro Einsatz verlost. Die jüngste Tagungsteilnehmerin Klara Dittié aus Königswinter fungierte als Glücksfee und zog das Los von Michael Anton aus Diepenau.


Ein klassisches AKM-Thema sind seit 1974 die Halobeobachtungen, und darüber referierte erneut Wolfgang Hinz. Eine systematische Aufschlüsselung findet seit 1986 statt, so dass in die mit 40 Jahren weltweit längsten Reihe fast 200 Tsd. Halos in eine Datenbank eingegangen sind.


Alexander Haußmann hatte sich dem speziellen Thema von Polarisation bei Halos zugewandt.


Zurück zum riesigen Fundus systematischer Halobeobachtungen. Da sich zu dessen Weiterbetreuung noch kein Nachfolger für Wolfgang fand, hat sich Sirko Molau die Python-Software HALOpy erstellen (lassen), mit der die systematischen Halobeobachtungen künftig vereinfacht und beschleunigt erfasst werden sollen. Die zweite halobezogene KI-Anwendung Sirkos heißt HALOassist bzw. im Scherz „Virtueller Wolfgang“.


Jürgen Rendtel führte die Zuhörerschaft zurück auf die Praxis der visuellen Meteorbeobachtung im zurückliegenden Jahr. Aus ihren Daten konnten 2025 Feinstrukturen in den Leoniden ermittelt werden, und nach Anwendung eines Faktors 2 kamen die visuellen Beobachtungen bei Vollmond in Übereinstimmung mit den Daten aus Kameranetzwerken.


Bernd Gaehrken aus München und Peter C. Slansky aus Kempen stellten Videometeore vor, die sie mit drei Kameras auf dem Calar Alto in Südspanien simultan einfingen Besonders erpicht waren sie dabei auf „green trains“, das sind im Licht einer Sauerstofflinie grün nachleuchtende Plasmaspuren. Es zeigte sich, dass Meteore teilweise mit „unkorrelierter“ Helligkeit in den drei Videos erschienen, was zu einer multiplen Typisierung führte, deren Ursache den Beobachtern aber noch Kopfzerbrechen macht.

In einem Vortrag von Peter C. Slansky ging es um das Einstellen von GPS-Zeitsignalen auf die Audiospur von Videos etwa mit Meteoren und Sternbedeckungen. Hier sind die Unterschiede zwischen der TAI (Atomzeit) und der astronomisch relevanten UTC zu berücksichtigen, welche inzwischen 37 s ausmachen.

Björn Kattentidt aus Neutraubling hatte einige von ihm komplett entwickelte Zeittaktgeber mitgebracht.

Ulrich Sperberg aus Salzwedel hat in Bibliotheken originale Berichte und Meldungen über eine ganze Reihe gut 100 Jahre zurückliegender Meteorbeobachtungskampagnen aus Gasballons in Frankreich, England, dem Deutschen und Russischen Reich recherchiert. Beteiligt war dabei sogar eine der ersten in Europa studierten Astronominnen mit, die US-Amerikanerin Dorothea Klumpke-Roberts.


Handfestes wurde von Frank und Sabine Wächter aus Radebeul gezeigt. Sie haben gleich mehrere Fundorte von Moldawiten im Bayrischen Wald, Böhmen und von ähnlichen Tektiten in der Lausitz kompiliert und teilweise auch besucht.


Andreas Möller gab eine instruktive Übersicht über die Satelliten zur Überwachung der Sonne und Vorhersage von Sonnenstürmen in der irdischen Magnetosphäre. Im Einzelnen vorgestellt wurden GOES, SDO, SOHO, STEREO, ACE, DSCOVR.


Bernd Gaehrken hat sich die Aufgabe gestellt, Elmsfeuer, das sind niederatmosphärische Koronaentladungen an Metallspitzen, in der Großstadt zu dokumentieren, wo sie etwa zweimal im Monat vorkommen. Spektral breitbandig ist das mangels Kontrast gegen den aufgehellten Himmel nicht möglich. Mit Kameras fürs UV-B gelingt die Detektion hingegen sogar am Tag, sie sind aber für Amateure unerschwinglich. Bernd wählte und optimierte daher eine Filterlösung im UV-A bei 350 nm, und damit gelangen ihm nächtliche Nachweise an Blitzableitern eines Münchener Hochhauses.


Um den hierzulande häufigen Wolken zu entgehen, sind Petra und Jörg Strunk im August 2025 aus Herford nach Namibia gereist, hatten aber das Pech, dass von fünf Nächten auf einer Astrofarm vier ausfielen, durch Wolken... Für Trost angesichts der geringen Ausbeute an nächtlichen Fotos sorgten aber tags solche mit den Schönheiten der dortigen Landschaft und Tierwelt.

Elmar Schmidt aus Bad Schönborn reist seit 2007 an astronomische Spitzenstandorte, in seinem Fall, um totale Mondfinsternisse zu photometrieren In Göttingen wurde über totaler Finsternisse der Jahre 2025/26 bverichtet. Für sie wurden erfolgreiche Kampagnen in Nevada, Armenien und Hawai‘i durchgeführt, Die Minimumhelligkeiten von inzwischen 15 Finsternissen korrelieren gut (r = -0,76) mit der Kernschattenmagnitude, das ist die Eindringtiefe des Mondes in die Umbra (Erdkernschatten), wie es Simulationen des die Atmosphäre streifenden und in den Erdschatten gelenkten Sonnenlichts erwarten lassen. Weitere Korrelationen wurden nicht gefunden.

Beim sog. Oppositionseffekt konnte aus den besten Lichtkurven einiger Mondfinsternisse die bislang nur vermutete Erwartung bestätigt werden, dass der Oppositionseffekt die Abschwächung des Mondes im äußeren Halbschatten überkompensiert. Dieses Ergebnis soll in der ganz in Mitteleuropa sichtbaren reinen Halbschattenfinsternis am 27. Februar 2027 erhärtet werden.


Wolfgang Dzieran aus Bad Lippspringe hat sich der Frage zugewandt, wie lange eigentlich ein Sonnenuntergang dauert. An zwei nur zwei Tage auseinanderliegenden Abenden stellte er am Strand von Amrum fest, dass der erste Sonnenuntergang recht nahe an den durch Sonnengröße und Tagbogenrichtung gegebenen 4 min 18 s lag, der zweite aber fast 7 min dauerte, wenn man sein Ende am letzten sichtbaren Sonnenfleck am Horizont festmacht. Solche Unterschiede hängen mit tagesabhängig variierender Strahlanhebung durch atmosphärische Refraktion zusammen.


Der Tagungsort Göttingen ermöglichte einen Tagungsausflug in die Erdbebenwarte des Göttinger Wartebergs. Dieser spektakuläre Feld- und Waldversuch beschloss die samstagnachmittägliche Führung der Seminarteilnehmer zu historischen Gebäuden der Göttinger Geophysik.


Durch den Fall einer 4t schweren Stahkugel haben die deutlich spürbaren Bodenwellen ab 1908 erstmals die seismische Exploration von Bodenschätzen wie Erdöl begründet.


Die Erdbebenwarte ist die älteste der Welt. Gegründet wurde sie von dem Göttinger Physikprofessor Emil Wiechert, welcher vor etwa 125 Jahren tonnenschwere und rein mechanische Seismometer konstruierte, die heute zwar durch kompaktere Geräte ersetzt sind, aber immer noch als empfindliche Referenz zu diesen mitbetrieben werden,

Die 3 Seismografen decken die 3 Raumdimensionen ab. Sie basieren auf der Technik des umgedrehten Pendels.

Eine weitere frühe Leistung der Göttinger Geophysik war die Untersuchung geomagnetischer Störungen und solar-terrestrischer Beziehungen, durch Julius Bartels, welcher damit zum Pionier des heute als Weltraumwetter bezeichneten Gebietes wurde.


Gründungsväter der Göttinger Magnetik waren jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts der Mathematikerfürst Carl Friedrich Gauß und sein Kooperant Wilhelm Weber. Neben der Messung und Kartierung des Erdmagnetfeldes hatten sie schon festgestellt, dass sich dieses kurzzeitig ändert und das vermutlich nicht vom Erdinnern ausgehend.


Ihr früher neben der Stadtsternwarte stehendes, ganz aus Holz gebautes „Magnethaus“ wurde neben der Erdbebenwarte wieder aufgebaut, wo die AKMler neben historischen Messungen und Geräten auch einen Nachbau des Magnettelegraphen der beiden Herren von 1833 vorgeführt bekamen. Auch das Gruppenfoto entstand dort.


Es gab auch ein Online-Teilnehmerfoto mit allerlei bekannten Gesichtern:



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Danke an Elmar Schmidt.
Der Text basiert in einigen Passagen auf seinem ausführlicheren Tagungsbericht.